Architektur
Das Leben ist eine Baustelle.
Willkommen in Berlin. In Berlin wird immer gebaut. Deshalb leben wir so gerne hier, denn die Stadt verändert sich ständig. Die ganz großen Wolkenkratzer und die Skyline fehlen, das große Zentrum existiert auch nicht, aber genau hierin liegt der Reiz, die Stadt die nie fertig wird und nicht von einem Architekten dominiert und für die Ewigkeit in Stein fixiert wurde. Jeder findet hier seine Nische. Viel Spaß beim Rumspazieren und entdecken...
Berlin war immer ein Magnet für einige der besten Architekten der Welt. Der geniale Schinkel und seine Schüler sind verantwortlich für das klassizistische Berlin. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat das Bauhaus von Mies van der Rohe mit einigen der schönsten Gebäude seine Spuren hinterlassen. Die gelungensten modernen Baustrukturen im Wiederaufbau nach der Totalzerstörung im II. Weltkrieg stammen von Scharoun.
Seit der Wende hat eine Bautätigkeit eingesetzt, die in der westlichen Welt ihres gleichen sucht. Der Versuch, die urbanen Wunden von sämtlichen politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts zu heilen, die Repräsentationsarchitektur in Folge der Hauptstadtwerdung, der immense Renovierungsbedarf im Osten der Stadt sowie das Investoreninteresse von steuersparenden schwäbischen Zahnärzten haben eine unvergleichliche Parade der größten Architekten der Gegenwart nach Berlin gebracht.
Architekturinteressierte aus der ganzen Welt haben Berlin in den letzten Jahren zu ihrem Pilgerziel gemacht, um neben vielen mittelmäßigen Bauten einige spektakulär gut Gelungene zu sehen. Foster, Pei, Kohlhaas, Libeskind, Gehry, Piano, Isozaki, Gerkan und viele mehr sorgen dafür, dass in 50 Jahren von einer spektakulären Architekturepoche gesprochen werden wird. Die folgende Liste ist nicht mehr als eine kleine Anregung, Freunde der Architektur werden Wochen in der Stadt verbringen können.
Gebäude
Das Bundeskanzleramt von Axel Schultes und Charlotte Frank, 1997-2000, in unmittelbarer Nähe des Reichstages, ist der Sitz des Bundeskanzlers und eingebettet in einen Gebäudekomplex, der als ?Band des Bundes? die wichtigsten Regierungsgebäude Deutschlands einschließt. Vielfach kritisiert wegen der angeblich wilhelminischen Ausmaße halten es viele ? auch der Schreiber ? für eines der gelungensten Gebäude der Berliner Moderne
Der Reichstag als Sitz des deutschen Bundestages, Paul Wallot 1884-1894, spiegelt wie wenige Gebäude die Geschichte Deutschlands, als Zuckerdose in Preußen verspottet, in Brand gesteckt 1933, total ausgebombt 1945, verwaist und notdürftig saniert im Nachkriegsdeutschland, nach der Hauptstadtentscheidung spektakulär totalsaniert von Sir Norman Foster, dessen begehbare Glaskuppel innerhalb kürzester Zeit zum Symbol des ?Neuen Berlin? wurde. Die Tage der Verhüllung durch Christo und Jean-Claude vor der Sanierung gehören zu den besten Erinnerungen vieler Berliner.
Der Potsdamer und der Leipziger Platz waren die urbanen Zentren im Berlin der 20er Jahre, totalzerstört im II. Weltkrieg, zur Wüste geworden durch die Mauer, die die Plätze zerschnitt. Durch den Fall der Mauer wurde dieses riesige, plötzlich erstklassig gelegene Areal zum investors dream, und Daimler, Sony, ABB und viele andere beauftragte Architekten wie Renzo Piano, Hans Kolhoff, Arata Isozaki oder Helmut Jahn haben die Plätze als urbanes Symbol des 21.Jahrhunderts wieder auferstehen zu lassen. Ein polarisierendes, atemberaubendes Projekt.
Es macht tatsächlich Spaß, dort rumzulaufen und mal ein Gefühl von Straßenschluchten wie in New York aufzunehmen, und die Verknüpfung von Büros, Shops und Kinokomplexen füllt das alles mit Menschen und Leben.
Die Philharmonie von Hans Scharoun, 1960-1963, ist ein goldglänzendes Beispiel des eleganten Modernismus und fast ausschließlich nach akustischen Grundsätzen entworfen, um den Berliner Philharmonikern eine Heimat zu geben, die ihrer Klasse angemessen ist.
Die Neue Nationalgalerie ist Ludwig Mies van der Rohes einziger Museumsbau und vollendet in seiner Intention, die untergebrachte Sammlung moderner Kunst nicht zu erdrücken, sondern kongenial zu unterstützen.
Der Palast der Republik, Heinz Graffunder und Karl-Ernst Swora, 1973-1976 erbaut als Sitz der Volkskammer der DDR auf der Fläche des von Ulbricht gesprengten Stadtschlosses, seiner Überreste jedenfalls. Ungewöhnlich elegant für DDR-Architektur war das Gebäude zu seiner Hochzeiten. Inzwischen ist davon nur noch ein Stahlgerippe übrig, das nach jahrelanger Diskussion über seine Zukunft nun auf den Abriss wartet.
Das Jüdische Museum von Daniel Libeskind, 1993-2000, gehört zu den ungewöhnlichsten Bauten, die Du je sehen wirst. In totalem Kontrast zu dem Barockgebäude, dessen Erweiterung es ursprünglich sein sollte, hat der Architekt versucht, die Geschichte der jüdischen Deutschen durch das Gebäude zum Ausdruck zu bringen. Das Ergebnis ist ein aluminium-farbener, geborstener Strahl, der aus der Vogelperspektive einen halben Davidsstern darstellt. Die Gesetzmäßigkeiten des Bauens sind hier ad absurdum geführt. Ein Muss!
Das Bundesfinanzministerium von Ernst Sagebiel, 1934-1936, gebaut als Göbbels Luftfahrtministerium im ?Dritten Reich? wurde es zur Heimat des ?totalen Krieges?. Seine mehr als 2000 Räume wurden von der DDR-Bürokratie genutzt, und nun als Finanzministerium des Eisernen Hans.
Die Neue Synagoge, Eduard Knoblauch und Friedrich-August Stüler, 1859-1866, ist im orientalischen Stil erbaut und war mit über 3000 Sitzplätzen einmal die größte Synagoge in Deutschland und Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde Berlins, einer der größten der Welt. Teilweise beschädigt in den Pogromen 1938 wurde sie in den Bombennächten 1938 schwer zerstört und erst 1998 begann die Sanierung, gekrönt durch einen weithin sichtbaren, goldenen Dom. mysql.snafu.de/cjudaicum/index.html
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Franz Schwechen, 1891-1895, erbaut als Hommage an den Preußenkönig wurde sie nach ihrer Zerstörung und ihrem Anbau zum Mahnmal gegen den Krieg. Direkt daneben ein von außen eher häßlicher Neubau, aber mal reingehen: der Lichteffekt drinnen ist sehr schön, und abseits vom Trubel am Kudamm, eine Ruheoase. Am Eingang gibt es zudem kostenlose Äpfel.
Die AEG-Turbinenhalle, Peter Behrens, 1909, gilt als Beginn der modernen Industriearchitektur.
Der Hamburger Bahnhof von Friedrich Neuhaus, 1846-1847, erbaut als Kopfbahnhof wurde schnell funktionslos und 1884 geschlossen. Später unter anderem als Transportmuseum genutzt, wurde er zur Architekturikone erst durch die Totalsanierung 1993-1996, die heute eine beeindruckende Sammlung moderner Kunst beherbergt. www.hamburgerbahnhof.de
Die Museumsinsel ist das neo-klassizistische Aushängeschild Berlins, erbaut hauptsächlich von Schülern Schinkels. Die 5 Museen beherbergen die klassischen Sammlungen Berlins, die zu den bedeutendsten der Welt gehören. Die 15 bis 20 Jahre dauernde Totalsanierung für einen hohen Milliardenbetrag gehört zu den größten Sanierungsprojekten der Moderne, und die vollendete Schönheit der fertig gestellten Alten Nationalgalerie lässt Großes erwarten. www.museumsinsel-berlin.de
Einige der spektakulärsten Neubauten der Nachwendezeit sind Botschaftsgebäude, angesiedelt vor allem südlich des Tiergartens, besonders sehenswert die Botschaften Indiens, Österreichs, Mexikos, der skandinavischen Länder sowie die sanierten Botschaften Japans und Italiens.
Hauptbahnhof :Gerade fertiggestellt und zur Fussball WM 2006 eröffnet wird der neue Hauptbahnhof im Zentrum Berlins mit einem recht spektakulären gebogenen Glasdach, weitere Bauten in seinem Umfeld sind zu erwarten.
Im Sommer 2005 gab es am Fuße der Hauptbahnhofs das internationale Sandskulpturenfestival. Augen auf für diese vergängliche Kunst und Architektur aus Sand, es ist noch nicht klar wo es 2006 zu finden sein wird. Für einen schönen Sommertag mit Füßen im Sand, einem kalten Bier oder Cocktail in der Hand, mitten in der Hauptstadt ist das Festival einen Ausflug wert. Für kleine und große Kinder: www.sandstation.de
Mauer ? Die Berliner Mauer wurde von keinem Stararchitekten entworfen, sondern einfach so gebaut, aber ist doch das berühmteste architektonische Merkmal in Berlin. Dies auch immer noch nach dem Sieg des Kapitalismus über Kommunismus, in dessen Folge die Mauer zerhackt und in Einzelteilen in die ganze Welt verkauft wurde. (Vermutlich wurde mitlerweile sogar mehr Mauer verkauft als ursprünglich da war...) www.die-berliner-mauer.de/
Die meistbesuchten verbleibenden Stücke finden sich in der Nähe des Checkpoint Charlie, einem ehemaligen Grenzposten, zu finden in der Nähe der U-Bahn Kochstrasse. Und gar nicht weit vom Circus Hostel sind die Berliner Mauer Gedenkstätte und das Dokumentationszentrum, in der Bernauer Strasse. www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de/
Wer mehr sehen möchte, einfach durch die Straßen Berlins laufen... oder in ein paar Jahren wiederkommen. Es wird weiter gebaut...
